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  • Friendly Rich And The Lollipop People - Dinosaur Power - Presseinfo

    Humor – Urdorn im Auge des deutschen Musik-Feuilletons. Dabei haben große Künstler wie Zappa, The Residents, Eugen Chadbourn, They Might Be Giants doch längst bewiesen, wie grundfalsch die Annahme ist, das Gute Schöne Wahre vertrüge keinen Witz . Schon Aristoteles nannte den Humor die edelste Tugend des Menschen, weil er einzig ihm, dem Menschen, zukommt. Selbst der übellaunige Schopenhauer musste gestehen: Humor ist, wenn das "Erfahrene mit dem Erwarteten nicht übereinstimmt" – und damit ein von Grund auf kreativer Wesenszug. Sigmund Freud erkannte das Lachen als den "reinigenden Faktor" im Menschen.

    Und obwohl gerade die griechische Komödie – seit Jahrtausenden Anhalt für Literatur und Theater (von Goethe bis Brecht) – unstrittige Referenz der okzidentalen Künste ist, findet der Humor im deutschen Musik-Feuilleton keinen fruchtbaren Boden. Dies gilt auch und vielleicht noch mehr für die so genannte Indie-Musik-Szene. Gerade Independent-Künstler und assoziierte Zeitschriften scheinen zum Lachen partout in den berühmten Keller zu gehen. In der Selbstdefinition junger Musikintellektueller hat die Ironie des Lebens nur sehr selten Platz. Vielleicht ist es ja das ständige "Sich-Beweisen-Müssen", der Kampf ernst genommen zu werden, der gerade dem Independent das Lachen verbietet?! Man schaue sich nur die vielen Bandfotos an, wie bemüht sie sind, durch verklärt künstlerisches bis latent übellauniges Dreinschauen Relevanz zu heischen. Die Idee des Künstlers als anhaltend Oppositionellem, der an der Welt leidet und zu Grunde geht, ist der Schick der Stunde. Und wenn dann der Erfolg eintritt und die Opposition zur Welt selbst unter größter Anstrengung nicht mehr glaubwürdig ist, dann tritt man in Opposition zu sich selbst – schießt sich die Birne mit einer Schrotflinte weg oder versackt in Drogenexzessen. Dabei hätte ein wenig Selbstdistanz das Gröbste verhindert. Ein Lachen.

    Wer das Label für den toleranten Stoiker kennt, weiß, dass Hazelwood schon immer ein Ohr für das Andere, das Abseitige, das Aberwitzige besitzt. Die Grenzen des gesunden Menschenverstandes auszuloten, hier und da gar zu überschreiten, ist uns ein Anliegen. Dass das im Allgemeinen gerade in deutschen Landen (wie oben beschrieben) nicht gut ankommt, wissen wir. Dennoch leisten wir uns hin und wieder Platten, die es gar nicht geben dürfte, von Künstlern, die es gar nicht geben dürfte und freuen uns wie die Diebe nach einem erfolgreichen Raubzug, dass wir uns das leisten können – und immer noch wollen!

    Friendly Rich and The Lollipop People

    Richard Marsella aka Friendly Rich lebt als Komponist in Brampton, Kanada. Herr Rich komponiert zahlreiche Musiken für Film und Fernsehen, so auch für die bekannte Tom Green-MTV-Late Night-Show. Seit 1994 veröffentlicht Herr Rich erfolgreich auf seinem eigenen Plattenlabel The Pumpkin Pie Corporation. Die bis dato 9 Langspielplatten von Herrn Rich erfuhren stets breite Aufmerksamkeit im kanadischen Rundfunk und Fernsehen. CBC sendete gleich 6 Dokumentationen über das musikalische Treiben des Enfant Terrible. Herr Rich ist zudem Gründer des Brampton-Indie-Arts-Festivals, dass er alljährlich im Rose Theatre in Downton Brampton veranstaltet. Herr Dr. Rich graduierte an der Universität von Toronto in den Fachbereichen Instrumentenbau und Musik-Paraden-Pädagogik. Herr Rich gehört zu der sehr seltenen Gattung von Künstlern, die jederzeit in der Lage sind ein durchschnittliches, vernunftbegabtes Konzertpublikum in eine Soiree des Wahnsinns zu verwandeln. Zu diesem Zweck hat Herr Rich eine beachtliche Anzahl konspirativer Musiker um sich geschart – Die Lollipop People. Harfe, Akkordeon, Piano, Cembalo, Banjo, Fagott, Posaune, Klarinette, Cello, Kontrabass bilden neben diversen Schlaginstrumenten das mehr an ein Orchester, denn an eine Pop-Band erinnernde Instrumentarium der Friendly Rich Show. Nach "We Need A New F-Word" ist "Dinosaur Power" das zweite Album in Zusammenarbeit mit Hazelwood Vinyl Plastics. Bereits 2008 flog Hazelwood den kanadischen Wahnsinn für 10 Konzerte nach Europa ein. Wer einem der Konzerte beigewohnt hat, weiß wovon die Rede ist. Im März 2009 gastiert die Friendly Rich-Show zum zweiten Mal, für diesmal 14 Konzerte, in Deutschland und Österreich.

    Friendly Rich and The Lollipop People / Dinosaur Power (Hazelwood / Indigo)

    Zwischen Tradition und Postmoderne, zwischen Cartoon und Varieté, zwischen Avantgarde und blankem Wahnsinn, stecken Herr Rich und die Lollipop-Menschen das paramusikalische Koordinatensystem nur für Verrückte. Mit einem Dinosaurier-Kraftakt hievt Herr Rich die Musikwelt aus den rostigen Angeln und konstruiert sie neu. Dass der getriebenen Künstlerseele bei solch revolutionärem Tun nichts heilig seien will, nichts heilig seien darf, ist am Ende eine Frage der Moral. Den Avant-Symphoniker beschleicht beim Hören das Gefühl, da einst, in einer fernen Zeit, einer kritischen Retrospektive über die musikalischen Verwachsungen des Menschen im spätkapitalistischen Zeitalter zu lauschen. (Zugegeben: Das gelingt nur wenigen ohne wirklich harte Drogen.) Aber so ist das mit der Ewigkeit, in ein paar hundert Jahren wird das utopische Singspiel des Herrn Rich, ähnlich wie die griechische Komödie im Heute, weniger Komik besitzen, als die Schwermut der guten erdigen Rock'n'Roller in ihren albernen Anzügen, weniger Witz, als die vertonte Humorlosigkeit der Independent-Protagonisten zwischen Oma-Tapeten und Stehlampen, weniger Albernheit bergen, als das spätpubertäre Gehopse der Superstars und Supersternchen. Wetten?!

    Release: 20.03.2009 (Hazelwood Vinyl Plastics / Indigo)

    FRIENDLY RICH AND THE LOLLIPOP PEOPLE - Dinosaur Power Tour 2009

    20.03. Berlin – Supamolly w/ The Great Bertholinis
    21.03. Rostock - Jaz
    22.03. Bremerhaven - Pferdestall
    23.03. Köln - Sonic Ballroom
    24.03. Frankfurt - Das Bett
    25.03. Erfurt – Stadtgarten w/ The Great Bertholinis
    27.03. Wien - Ostclub
    28.03. Steyr - Röda
    29.03. Prag - Cross Club
    31.03. Leipzig - NBL
    01.04. Nürnberg - Muz
    02.04. Wetzlar - Franzis
    03.04. Halle - La Bim
    04.04. Offenbach - Waggon

    http://www.myspace.com/friendlyrich
    http://www.friendlyrich.com

  • DM Bob & Jem Finer - Pirana - Presseinfo

    Geht es um die Kunst und die, die sie schaffen, lässt Mensch sich nur zu gerne zu Superlativen hinreißen. Formulierungen wie „einmalig“, „.legendär“, oder „bahn brechend", sind da leicht gefasst – und es ist auch gar nichts schlechtes daran, zeugen solch euphorische Bekundungen doch einzig von der legitimen Begeisterung des Verfassers für das künstlerische Werk, – von der Faszination des Augenblicks. Nur was, wenn es sich wirklich einmal um zwei so außerordentliche und unbeschreibliche Typen handelt, wie in diesem Falle? Dann, ja dann, fehlen einem leicht die Worte:

    DM Bob & Jem Finer

    Fragt man DM Bob und Jem Finer nach ihren größten Kunststücken, bekommt man niedliche kleine Anekdoten zu hören, etwa wie Bob als Kind, um die allgemein vorherrschende Alien-Hysterie in seiner Heimatstadt Raceland, 50 Kilometer südwestlich von New Orleans, zu schüren, fingierte Ufolandeplätze in die Zuckerrohrplantagen rund um den Ort mähte,– natürlich fiel nie jemand darauf rein –, oder wie er dann, viel später, als Englischlehrer in Hamburg die Klitschko-Brüder Vitali und Vladimir linguistisch auf ihre Titelkämpfe in den USA vorbereitete. Dem Umstand, dass die Crypt-Records-Veröffentlichungen seiner Band DM Bob and the Deficits die größte aller Radio-Legenden, den BBC-Radio1-Reporter John Peel dazu veranlassten, Bob nicht nur in seinem Film „On The Road With John Peel“ zu bedenken, sondern ihm darüber hinaus noch kurz vor seinem Tod gleich zwei BBC-Peel-Sessions zu widmen, schenkt Bob hingegen kaum Erwähnung. Jem Finer, der hagere Mann aus der Töpferstadt Stoke in den North West Midlands Englands, aus der auch Robbie Williams und Slash stammen, fabuliert gerne darüber, wie er sich mit einem gewissen Shane MacGowan solange in Covent Garden als Straßenmusiker verdingte, bis die Cops die beiden schließlich aus dem Stadtteil verbannten. Kein Wort darüber, dass er mit eben diesem Shane MacGowan nur wenige Monate später die Folk-Punk-Band THE POGUES gründete, kein Wort von dem bald folgenden Weltruhm und den zahlreichen gemeinsamen Auftritten mit U2, oder The Clash. Auf die Frage, was er mit den Pogues denn sonst so getrieben habe, antwortet Jem lapidar: „Lot’s of bloody records.“ Understatement?! Nein. All das beschreibt das Selbstverständnis zweier kauziger Vagabunden und Globetrotter mittleren Alters, die sich längst nichts mehr zu beweisen haben. Bob arbeitet mittlerweile fest als Englisch-Lehrer in seiner Wahlheimat Hamburg, stellt seine Gemälde aus, tourt mit den „Watzloves“, der Band seiner Lebensgefährtin Silky Watzlove (Hoo Doo Girl), quer durch Europa, oder produziert in seinem kleinen Studio die Alben befreundeter Künstler, wie etwa die Tonträger von „The King Khan & BBQ Show“. Hin und wieder besucht er seine alte Heimat Louisiana, wo er gerne einige musikalische Gastspiele in den Klubs rund um New Orleans gibt. Jem Finer arbeitet als „Artist in Residence“ am astrophysischen Institut in Oxford, photographiert und dreht Filme. Vor einigen Jahren komponierte er die Musik für den „Longplayer“. Die am 01.01.2000 gestartete Musik-Sequenz wird vermittels eines Computerprogramms bis zum 31.12.2999 unaufhörlich spielen, ohne sich ein einziges mal wiederholt zu haben. Die entsprechenden Rechner stehen in einem Leuchtturm gegenüber dem Millennium-Dom in London, im Planetarium der Bibliothek von Alexandria in Ägypten und im Kraftwerk von Brisbane bei Nottingham, England. Zu hören ist der Longplayer auch als Livestream im Internet: http://longplayer.org Und wie es endlich dazu kam, dass Bob und Jem zusammen fanden, beschreiben die Künstler so:

    JEM: „Bob just walked into my house one christmas and since then sometimes leaves to go to Hamburg for a few days. His ticket into my house was a DM Bob and the Deficits CD. Brilliant! Bob is one of the few people I have total tolerence for, a wonderful human.“

    BOB: „I had offers to go do some gigs in the UK. I was doing my onemanband thing so I just asked Jem if he’d be willing to do some twomanband stuff and we did and thats how DM Bob & Jem came about. Of course cruising around England in Jem’s Lamborgeenie tour bus was a blast. I just hate it when Jem starts setting his banjo on fire and stuff on stage - he s always stealing the show!“


    DM Bob & Jem Finer / Piraña

    Wenn die Trash-Punk-Country Allstars DM Bob und Jem Finer die Traditionen des US - Amerikanischen Südens beim grau melierten Schopf packen und in die Garage schleifen, wird’s garantiert laut und schmutzig. Mit einer gehörigen Dosis Übermut entstaubt das Duo die Southern-Skills von falscher Etikette und zeigt wie jung und immergrün diese Musik doch ist, wenn man sie nur richtig spielt. Dass das ein oder andere Abziehbild vom Kaliber Truck Stop dabei das Gebiss verschluckt, ist kalkuliertes Risiko. Wie schon das großartige 05er Debut BUM STEER (fauler Ochse) versprüht auch das zweite Werkstück PIRAÑA jede Menge trashiges Understatement und distinguierten Humor. TRASH meint hier nicht das unvermögende Ergebnis jugendlichen Übermuts, sondern jene virtuose Enthemmung von Meisterhand, die durch den Verzicht auf Scharlatanerie und Brimborium Überkommenes neu erlebbar macht – das kalkulierte Defizit. Dass Jem und Bob dabei nicht alleine stehen, sondern sich mit Bands wie Skip Jensen, The King Khan & BBQ Show oder Bob Log (um nur einige wenige zu nennen) seit Jahren eine Szene im europäischen und nordamerikanischen Untergrund formiert, deutet auf die Relevanz des Ansatzes.

    Release: 14.11.2008 (Hazelwood Vinyl Plastics / Indigo)

    www.myspace.com/dmbob

  • The Audience - Dancers and Architects - Presseinfo

    Vorwort:

    Form, ob in den Raum getanzt oder gegossen, als Lufthauch oder in Stahlbeton. Erdacht für die Dauer des immer fliehenden Momentes (dieses Angsthasen!) oder um in Äonen zu verharren, wie die Sphinx im Staube Ägyptens. Das Tollen der Seidenspinner, die Baukunst der Emsen – unendlich ephemere Skulpturen, deren Abstand immer nur von Dauer ist, Ausdruck desselben Mutwillens. In einer relativen Zeit begegnen sich die Formen einst im Immer, stehen die Luftschlösser der Tänzer zeitlos turmhoch neben den Kathedralen der Erbauer und Architekten.

     

    The Audience – Dancers and Architects (Hazelwood / Indigo)

     

    Wie ein umgepolter Magnet. Totale Umkehr des Inneren. Wie ein umgepolter Magnet erhält die Band, die in den verpufften 16 Monaten seit Veröffentlichung ihres Debüts Celluloid so anerkannt wurde, als wäre sie nicht von hier, die Anziehungskraft nach Außen. Wie ein umgepolter Magnet tut diese zweite Platte vor allem eins: Sie lässt dich andersrum tanzen! Zweihundert Schauspiele quer durch Europaland, in einer knappen Handvoll Zeit, lassen The Audience die verbrauchte Haut abstreifen, wie ein vertrocknendes Schuppentier, das atmen will. War Celluloid noch geistvoll abbildendes Kolorit, ist die Gruppierung um den Berg aus Dasein angekommen und eingestiegen in eine bildhafte Definition der ureigenen beneidenswerten Utopie. The Audience begegnet dem Umstand, dass sie als Zuschauer der Ereignisse unversehens selbst zum Ereignis geworden ist, laut und deutlich.

     

    Mit Zickzackgitarren und um die Wette pulsenden Orgelexpressionen, aderweißrot, so wie Augen sind, die partout nach innen gucken wollen, verliert sich die Band in Restvernunft, lässt alle verrauchten Referenzen hinter sich und taucht ein ins Angebot der Ausdrucksformen. Das Schlagwerk tut das auch, nur viel lauter – einzig übertönt von dem Berg aus Dasein, der sich in seiner ganzen Größe zwischen die Fragmente schiebt, als hätte Umfang was zu tun mit Fang-Mich-Doch!

     

    Tänzer und Architekten kehren das Innere nach außen. Eine solche Verkrümmung der Wirbel und Segmente fordert einen Paradigmenwechsel des eigenen Koordinatensystems, der eigentlich nur mit wirklich harten Drogen zu bewältigen ist. (Annahme des Verfassers)

     

    The Audience (ein biographischer Abriss)

     

    „There’s no Michelangelo coming from Pitsburg“ erwiderte Andy Warhol einst auf die Frage, warum er New York zu seiner Wahlheimat erkoren hatte und zielte auf den Puls der Weltmetropole, jenes inspirative Moment der Großstadt, das seiner Meinung nach unverzichtbar sei für jedes große künstlerische Wirken. Hätte der geniale Albino um die kleine fränkische 12.000 Seelen–Gemeinde Hersbruck gewusst, so hätte er seine Aussage zumindest in Teilen revidieren müssen und die Künstlergemeinschaft der Silverfactory hätte ihr Lunch anstatt zwischen den Wolkenkratzern der 47th Street, vielleicht im Schatten der Türme des Hersbrucker Stadtschlosses eingenommen. Ob die Velvet Underground-Banane deshalb gleich zur Kartoffel mutiert wäre, liegt im Reich der Spekulation. Belegt ist hingegen, dass die kleine Stadt östlich von Nürnberg auch ohne den berühmten Maler und Musik-Produzenten eine abnorme Häufung hochtalentierter Rockmusiker hervorgebracht hat. Dabei liegt die Vermutung nah, dass sich hinter den bekanntesten Vertretern Hersbrucker Musikkultur, wie etwa The Robocop Kraus, The Plane Is On Fire oder Yucca, noch eine erhebliche Dunkelziffer von Bands verbirgt, die ihre Herkunft aus von Andy so trefflich beschriebenen Gründen lieber verleugnet. Nicht so THE AUDIENCE – wie überhaupt alles um den jüngsten Spross Deutschlands heimlicher Rockhauptstadt pures Understatement ist.

     

    Release: 07.11.2008 (Hazelwood Vinyl Plastics / Indigo)

    www.myspace.com/rocktheaudience[http://www.myspace.com/rocktheaudience

    www.rocktheaudience.de[http://www.rocktheaudience.de

  • Mardi Gras.bb - My Private Hadron - Presseinfo

    Sensation! Der Mimus Albus steckt im Atom!


    Hadron, Drehkörper, unruhiges Kind. So klein und doch teilbar. Zehn hoch minus dreizehn Zentimeter. Zuletzt die Eitelkeit des Sichtbaren begründet die Suche nach Essenz im Unsichtbaren. Was Form ist, will geformt sein! Quarks und Quanten, Keppler und Bohr – rätselhaft ist der Nukleus, Rätsel bleibt das Wollen! Und was, wenn das ungesehene Land des Allvaters, tiefblau, die forschwütige Netzhaut am Okular da einst erröten ließe? Was, wenn endlich sichtbar gemachtes Flirren schwanenweißer Nukleonen, filigraner, propellergetriebener Drehkörper, Maschinen einer anderen Ordnung, sphärisch und wandelbar, vergnügt ergeben in antiparallelem Spin, die gleiche ephemere Anmut besäße wie das tolle Umeinander der Planeten und Systeme, tobte wie der Paarungstanz liebestoller Pfauenaugen über Latifundien von Blütenhonig oder das Nebeneinanderher der Vehikel dem Strome nach? Was, wenn das Ur selbst Konzept, systematisch schön und doch sterblich ist – Ektoplasma des gelebten Augenblicks?! Wo würden wir dann suchen?


    8 is the magic number


    Nach den erstaunlichen Veröffentlichungszyklen vergangener Tage, 7 Alben und eben so vielen Tourneen in nur 7 Jahren, hat sich Doktor Wenz, Rosenhirn der Band, die man nicht mehr näher vorzustellen braucht, diesmal geschlagene 24 Monate Zeit gelassen, um am neuen Werkstück zu feilen. "My Private Hadron" titelt die achte Schallfolie und liegt, hier ist die Ordnungszahl Programm, im Oktober 08 auf den Plattentellern der Nation. Der Physikus weiß, Hadronen, das sind Nuklearteilchen, zehn hoch minus dreizehn Zentimeter groß, sphärisch, starker Wechselwirkung unterworfen und darum extrem instabil. Der Laie ahnt, die Bande um "der Welt letzten großen Entertainer" (Musikexpress) führt erneut Elementares im Schilde. Wer zudem den "antiparallelen Spin" und die geradezu manische Neigung des so called "Teutonic Phenomenon" (Rolling Stone Magazine USA) kennt, auf die Gesetzmäßigkeiten des internationalen Musik-Bizz zu scheißen und sich mit jedem Album quasi neu zu erfinden, wird gespannt sein auf das, was da kommen mag. So viel sei verraten: Reverend Krug, Bassmacher und Spiritus Rektor der Band, hat diesmal, statt des obligaten Sousaphons oder eines sonor knurrenden Kontrabasses, einen auffällig tiefhängenden, elektrifizierten E-Bass über die geweihte rechte Schulter gespannt und kein bisschen Lust, sich zurückzuhalten.


    Mardi Gras.bb – My Private Hadron


    (Hazelwood / Indigo)


    Fusel, Junkfood, Aspirin, gepanscht und genossen in einsamem Hotelzimmer. Ein kalter Messias, dieser mit ewig gekreuzt und gelochten Händen turmhoch dastehende Lange, Dünne, erscheint schon wieder mit purpurnem Lendentuch und Fransen-Frisur (wie bei Lynch) vor deinem Bett und verzeiht dir all die heimlichen Sauereinen, weil er (auch er!) gerade breit ist. Wie hart es ist zu rocken, vom silbernen Tablett herunter, wenn du die Hadronen in deinem Pelz spürst – ihnen Namen gibst, Stimmen und Gesichter, wenn du das Kochen, Brodeln, und Drehen des entfesselten Planeten, 1.666 Kilometer schnell, in den Fußsohlen spürst, immer... Dass das Schlängeln der Gestirne im Quadrat dir Kopfschmerzen macht, ist müßig zu erwähnen, Bluter, der du bist, verhauen und veralbert. Selbst deine X-Chromosomen wollen jetzt töten und fressen, Klapperschlange, roh und mit bloßen Fingern. Dein Puls ist ein unerotisch klaustrophobisches Tickern. Erinnerung, von Jugend an, hört nicht auf aus deiner Nase zu bluten. Kindheits-Fallout. Blut ist hart und schwer zu schlucken – aber das lernt man dann! Lügen, Dirnen der Vergangenheit und das bucklige Alter, das ja Immerälterwerden ist und damit partout nicht aufhören will, nagen am Unterbau. Und dann die Angst, der ungeschützte Sex mit Lolita-Träumereinen, schmutzige Leibwäsche und der fahrlässige Umgang mit Herpes, Klingeltönen und anderen Fruchtbarkeiten. Wen das Bange macht, zementiert in trockensumpfige Grooves, zerschlagen in zehn hoch minus dreizehn Fragmente, überspült von Tigerorgel-Kaskaden, ins Blech getrieben von rostigen Hörnern, zerschnitten vom Kalt der Twang-Gitarren, übertüncht vom Warm der Flügelhörner – wen das Bange macht, ist entschuldigt.


    Der Rest ist eingeladen!



    Release: 26.09.2008 (Hazelwood Vinyl Plastics / Indigo)


    www.myspace.com/mardigrasbbbr />www.mardigrasbb.com/p>

     

  • Jerobeam - How One Becomes What One Is - Presseinfo

    War „What's The Deal?!", das gefeierte, 2003 bei Polydor erschienene Langspieldebüt des in London aufgewachsenen Singer-Songwriters Lennart A. Salomon noch als orchestrales Pop-Spektakel in Szene gesetzt, reduzierte der Wahlhamburger seine Band JEROBEAM noch binnen Jahresfrist zum Trio-Konzept. An die Stelle des veritablen Orchesters, das dem Erstlingswerk musikalische Opulenz eingehaucht hatte, traten der in Berlin lebende, in Miami geborene Bassist Thomas Merkel und die Hamburger Schlagwerk-Eminenz Benny Greb. Schon Ende 2004 erschien das zweite JEROBEAM-Album in neuer Besetzung und machte deutlich, wo die Reise hingehen würde: Konsequent dekonstruierten Salomon / Merkel / Greb die vielzüngigen Strukturen des Vorgängers und lieferten auf „Confidential Breakfast" zwölf Pop-Rudimentals, in den Äther geblasen mit der Nonchalance von Schlaghosen und der Durchschlagskraft von Knallgas. Dass diese krachend-resolute Nullung des eigenen ästhetischen Koordinatensystems hingegen nur eine unerhört gediegene Durchgangsstation zu etwas ganz anderem war, beweist eindrucksvoll der im September 08 bei Hazelwood erscheinende neue JEROBEAM-Longplayer „How One Becomes What One Is".


    How One Becomes What One Is

    Dusch-Dusch-Bang! Lang genug haben sie sich Zeit gelassen. Da verwundert es nicht, dass sich dieses neue JEROBEAM-Album entlädt wie das Überdruckventil an einem überhitzten Dampfkessel. Ist das Pop? Klar ist das Pop! Pop mit dem Springmesser aus der Korsage geschnitten und vor sich hergetrieben wie den falschen Hasen beim Windhundrennen. Die Rhythmusboliden Merkel / Greb rollen los, als wäre Gott ein D-Zug und die Meters ein Kessel Buntes. Kein Wunder, dass bei diesem Vortrieb die Stimme von Zeremonienmeister Salomon, tief verstrickt in schneidende Twang Gitarren und übermütig vibrierende Tiger-Orgel-Kaskaden, wieder und wieder in barocke Höhen gleitet. Dass es ihm dennoch gelingt, der dionysischen Kulisse die nötige Abgehangenheit zu verleihen, mag seiner hanseatischen Herkunft gedankt sein, den wenigen eingestreuten Low-Tempo-Nummern - und dem Umstand, dass er bei den Aufnahmen zu „How One Becomes What One Is" vermutlich (zumindest zeitweise) drogenfrei war.



    Release: 29.08.2008 (Hazelwood Vinyl Plastics / Indigo)


     


    Jerobeam MySpace [http://www.myspace.com/jerobeam]


    Jerobeam Website [http://www.jerobeam.com]

  • John Q Irritated - 5 Days Of Flat Water - Presseinfo

    Willkommen im Tinseltown, willkommen zu einer dieser wunderbar törichten Poolparties, irgendwann in den 1950ern, irgendwo zwischen dem Mulholland Drive, Beverly Hills und Sun Valley. Livrierte Diener reichen Champagner von Silbertabletts. Das Wasserballett schreibt Sterne in den Pool. Eine exaltierte Soiree verprasst die laue Pazifikluft, die kühlend von Venice Beach die Hollywood Hills empor klettert. Die Band jammt die Skills der Zeit und flirtet vom Rande des Pools verschmitzt mit überspannten Hautevolee-Gattinen. Gut, dass niemand unter den Gästen ahnt, dass die Band am Pool einer ganz anderen Dekade angehört, dass dieselben Musiker, die da jammen, im 21. Jahrhundert geschenkte 5.000 Meilen von Hollywood entfernt Schallfolien mit Bands wie The Notwist, Wir sind Helden, Boozoo Bajou oder The Robocop Kraus aufnehmen werden (sic!).


    Was John Q Irritated mit „Five Days of Flat Water" auf die Leinwand bringt, ist so himmlisch absurd, ungeniert, aberwitzig und bedenkenlos - wenn es diese Platte nicht gäbe, sie müsste glatt erfunden werden! Wie in einem wirklich guten Film, ist die einzig verbleibende Realität der Plüsch des Kinosessels.


    Wer ist der Mann (?!), über dessen 2005er Debüt „In reply to your letter of June 29th" die Fachpresse urteilte: „Ab und zu beschleicht einen das Gefühl, ob nicht vielleicht doch Dr. John, The Meters und The Dirty Dozen Brass Band das Album eingespielt haben - auf jeden Fall müssen sie im Geiste bei den Aufnahmen anwesend gewesen sein."


     


    John Q Irritated


    - Eine wahre Geschichte -



    Die Bewohner von Storyville / New Orleans waren sich einig: Der junge Deutsche, der seit kurzem das Appartment über dem Funky Butt am Congo Square bewohnte, musste verrückt sein. Zumindest kannte er keinerlei Furcht. Nicht genug, dass der Lautstärkepegel während der allabendlichen Konzerte, die stets bis tief in die Nacht andauerten, ganz und gar unerträglich sein musste. Jedem in Storyville war bekannt, dass im ersten Stock über dem Klub die Geister verblichener Musiker, die nicht selten dem Voodoo-Kult zugetan waren, umgingen. Sogar der Geist von Rock Hudson, der zu Lebzeiten häufig als Gast im Funky Butt verkehrte, wurde mehrfach in den Straßen um Haus 714 gesichtet.


    Als Dirk Hess entschied, nicht in die Fußstapfen des Vaters zu treten - jener hatte Mitte der 60er Jahre mit Kondom-Automaten reüssiert -, sondern stattdessen mit ein wenig Erspartem und einer verrockten Gibson im Gepäck gegen New Orleans abhob, ahnte er nicht, dass er keine sechs Monate später im verrauchten Hinterzimmer des berühmten New Orleanser „Ghetto-Clubs", sich den unzweideutigen Annäherungsversuchen des Herrn Davell Crawford, seines Zeichens Arrangeur bei Dr.John, würde erwehren müssen. Unterdessen war er mehr als einmal mit den Dukes of Dixieland, die bereits Platten mit Louis Armstrong aufgenommen hatten, auf dem Natchez-Steam Boat aufgetreten, hatte Jam Sessions mit Ervyn Charles, der einstmals mit Fats Domino unterwegs war, vom Zaun gebrochen, hatte mit Narvin Kimball, einem fast tauben, 90-jährigen Banjospieler musikalisch Bekanntschaft gemacht und war von Richard Payne, laut Dr. John heimlicher Erfinder des Funk-Basses, in die Geheimnisse des Secondline-Grooves eingeweiht worden.


    Untergekommen war Hess in einem Loch über dem Funky Butt, einem zum Musik-Klub umfunktionierten Puff im French Quarter an der Grenze zu Storyville. Das Geld war knapp und die Miete günstig - wegen der lauten Musik, wegen der vielen Säufer, wegen der leichten Mädchen und nicht zuletzt, weil die Einheimischen das Haus für verhext hielten.


    In den Nächten war an Schlaf also nicht zu denken und die Tage nutzte Hess um sich in der nur wenige Blocks entfernten „Preservation Hall", wo sich die musikalischen Urgesteine der Delta-Metropole ein alltägliches Stelldichein gaben, in die „Ins and Outs" des Second Line-Grooves einweihen zu lassen. Die alten Hüter des Swamp-Jazz' fanden schnell Gefallen an dem jungen Gitarren-Adepten, schätzten dessen Courage und furchtlosen Eifer. Bald begleitete Hess die New Orleans-Jazz-Potentaten auf kleine Touren nach Florida, Texas oder durch den Staat Mississippi. Auf einer dieser Touren legte Hess bei der Anmeldung in einem Motel mit seinem Ausweis versehentlich ein Musterformular statt des verlangten Visums vor und der unaufmerksame Hotelier registrierte ihn prompt als „Mr. John Q Public" (Herr Mustermann). Von da an - und weil John ganz einfach leichter von den Lippen ging als „Dörg" - wurde er von allen nur noch John Q genannt.


    Es war Francis, der alte englische Barkeeper aus dem Fritzel's, der eines Tages über dem Funky Butt erschien und sagte: „ Look John, post from home!". Francis hatte in einem kleinen Plattenladen irgendwo im French Quarter das Album einer ihm bis dato unbekannten Deutschen Band entdeckt. Die Truppe nannte sich „Mardi Gras.bb" und das Debut „Alligatorsoup" lieferte „Swamp Groove made in Germany" wie er originärer den Sümpfen des Mississippi nicht entsprungen hätte sein können.


    Am 29. Juni 2003 deponierte der hiesige Postbote eine kryptische Nachricht im Briefkasten der Frankfurter Hazelwood-Studios. „Bin bald wieder in Deutschland. Muss mit euch sprechen. Grüße aus der Crescent City, Dirk" Absender: John Q, Rampartstreet 714, New Orleans. Ein paar Monate später klingelte Dirk Hess, die verrockte Gibson unterm Arm, an der Tür des Mardi Gras.bb - Labels in Frankfurt. Die Produzenten bei Hazelwood Vinyl Plastics waren von der verwunderlichen Geschichte so angetan, dass sie spontan zustimmten, es auf Probeaufnahmen ankommen zu lassen. Hess versprach, er würde ein Jahr brauchen, um eine geeignete Band und die nötigen Songs zusammenzubekommen, dann würde er sich wieder melden. Natürlich hatten wir den kuriosen Mann mit der verranzten Gitarre längst vergessen, als er im Herbst 2004 erneut vor der Tür stand - diesmal mit Band und einem Koffer voller Songs. „In reply to your letter of June 29th" entstand innerhalb dreier verregneter Tage im Dezember 2004.


     


    Release: 29.08.2008 (Hazelwood Vinyl Plastics / Indigo)



    John Q Irritated MySpace [http://www.myspace.com/johnqirritated]


    John Q Irritated Website [http://www.johnqirritated.com]

  • John Dear Mowing Club - dito - Presseinfo

    He use to grow flowers / The beautiful kind / Now he's chopping them down / With his lawnmower mind."


    Gefragt nach dem Hintergrund seines offensichtlichen Faibles für Rasenmäher, antwortet Melle de Boer, Kopf der holländischen Alternative-Folk-Band John Dear Mowing Club: „Sie sind ein typisches Utensil meiner Heimat Holland, Ausdruck der kleinbürgerlichen Enge all dieser Hinterhöfe und Kleingärten. Außerdem mag ich es, die Dinge kurz zu halten, ich denke ich besitze eine destruktive Natur."


    Eine Problemjugend in der Tristesse der Den Haager Vorstadt bescherte dem Dichter, Maler und Singer/Songwriter de Boer eine veritable Sprachstörung und seiner Arbeit die atmosphärische Dichte von Stahlbeton. Mit einer gewaltigen, surrealen Bildsprache holt der hagere, im richtigen Leben eher wortkarge de Boer die Dinge von den Rändern des Bewusstseins und inszeniert sie in Wort, Bild und Ton. Die große Geste ist seine Sache dabei nicht, eher schon die Sakralisierung des vermeintlich Banalen. Wie sehr sein melancholischer Existenzialismus dabei mit dem Zeitgeist verwoben ist, bewies die Welle der Euphorie, die dem singenden Rasenmähermann anlässlich des 2003 veröffentlichten Plattendebüts „Lawnmower Mind" entgegen schlug.


    Dass sich die internationalen Gastspiele de Boer's seither dennoch in der Hauptsache auf wenige, wenn auch bedeutende Festivals beschränkten, ist nicht zuletzt der Künstlerfreundschaft zwischen ihm und dem manisch depressiven Songwriter-Genie Daniel Johnston geschuldet. Wann immer sich die Gelegenheit bietet, fungiert de Boer mit seinem John Dear Mowing Club als Band des Mannes, der David Bowie oder Kurt Cobain zu seinen größten Verehrern zählt und dessen vornehmlich auf Tape veröffentlichte Songs weltweit von mehr als 150 Bands gecovert wurden, wie z.B. von Tom Waits, Beck, Wilco, Pearl Jam, Bright Eyes, Firehose, The Flaming Lips, um nur einige Wenige zu nennen.


    Ungeachtet dieses aufreibenden Doppel-Engagements stellt de Boer mit dem 2008 bei Hazelwood Vinyl Plastics erscheinenden Longplayer „John Dear Mowing Club" sein eigenes kreatives Schaffen erneut eindrucksvoll in dem Mittelpunkt. Trotz der eher leisen, introvertierten Gangart des vom Künstler selbst so bezeichneten „Country Noir", stieg das Album in Holland von Null auf Vier in die Moordlijst (*) ein.


    Auf „John Dear Mowing Club" hüllt de Boer seine düstere und dennoch (oder gerade deshalb) Trost spendende Lyrik in einen Flaum aus Folk, Americana, Alternative Country und jeder Menge hysterischer Stille. Dabei ist die Nähe zu den Großen des Genres, wie etwa Bob Dylan, Neil Young, Lou Reed, zum Freund Daniel Johnston oder dem eigens mit einem Song bedachten Townes van Zandt, genau so wenig zufällig wie erschöpfend. De Boer kopiert nicht, sondern tunkt seinen Malerpinsel in eine Palette des guten Geschmacks, um in den Farben der Altvorderen seine eigene, außerordentliche Utopie auf Leinwand zu bringen.


    „I took your pride and brought it to the pawnshop / It wasn't worth a thing / I went out and gave it to the drunkman / He gave me his diamond ring."



    (*) alternative Kritiker-Albumcharts


     


    Release: 26.09.2008 (Hazelwood Vinyl Plastics / Indigo)


    John Dear Mowing Club MySpace [http://www.myspace.com/johndearmowingclub]


    John Dear Mowing Club Website [http://www.mowingclub.com/]

  • Nervous Nellie - Ego & The Id - Presseinfo

    Die Stooges, Romulus & Remus, die Gebrüder Warner, Blues, Coen und Kennedy, Kain & Abel, die Humboldt-, Grimm- und Düne-Brüder, Two Horses und Kaneoka One, Thomas und Heinrich (Mann), die Ramones, die fliegenden Orville & Wilbur Wright...


    ...die Liste betörend-genialischer Brüderpaare ist schier endlos. Falls Mutter Natur derart genetische Verstrickung in irgendeiner Weise bevorzugt, wenn Eins und Eins also mitunter mehr wert ist als (nur) Zwei, dann - ja dann ist NERVOUS NELLIE in mehr als nur einer Hinsicht gesegnet.
    Henrik und Magnus tragen neuerdings Vollbart, nicht zuletzt um sich sicher von Andreas und Sebastian abzuheben. Die zwei Brüderpaare, die Johnsons (mit Bart) und die Johanssons (ohne Bart), bilden die schwedische Neo-Indie-Flower-Pop-Punk-Band NERVOUS NELLIE. Sozialisiert in Chicago (USA) und Falkenberg (Schweden) bewohnt das doppelte doppelte Lottchen derzeit eine Villa Kunterbunt im Grasland um Stockholm. 2005 veröffentlichten die Vier ihr gefeiertes Debut-Album "Don't Think Feel"auf Go Kart.
    Neben einer ausgedehnten und überaus erfolgreichen Europatournee spielte man gemeinsame Touren mit Bad Religion und den Shout Out Louds. Beim Emergenza-Band-Contest gewann Nervous Nellie die Auszeichnung "Best International Act". Womit der
    äußere Rahmen gesteckt ist.


    Ego & The Id


    Innen auf der Platte ist die Musik wie das Flattern von Wildgänsen, übermütig von zwei mal zwei Brüdern mit Bleistift in einen lichtblauen, von Federwölkchen gesprenkelten schwedischen Himmel auf Durchschlagpapier schraffiert und vervielfältigt. Innen auf der Platte versprüht der Schlaghosen-Pop aus dem Skärgården den schwerelosen, melancholischen Enthusiasmus, den einzig
    skandinavische Songwriter wieder und wieder vorzuleben im Stande sind. Innen auf der Platte greifen die Zitate aus Folk, Pop und Punk ineinander wie die Zahnräder im Getriebe einer musikalischen Zeitmaschine - ein Shuttleservice zwischen Gestern und Übermorgen. Innen auf der Platte ist alles drumherum so vertraut wie gute Bekannte - Bekannte, die recht eigentlich verdient hätten auch Brüder zu sein: John Flansburgh & John Linnell (They Might Be Giants), Paul Simon and Art Garfunkel (Simon & Garfunkel), Brian Ritchie & Victor De Lorenzo (Violent Femmes).


    Brüder lassen beim Lachen und Weinen die Tür offen. Brüder lassen beim Lachen und Weinen das weg, was lachen und weinen peinlich macht.


    Vielleicht sind NERVOUS NELLIE nur deshalb so mitreißend. Vielleicht sind NERVOUS NELLIE nur deshalb so mitreißend, weil man lachen und weinen kann, ohne dass das was Besonderes ist.


     


    Release: 01.08.2008 (Hazelwood Vinyl Plastics / Indigo)


     


    Nervous Nellie MySpace [http://www.myspace.com/nervousnellie]


    Nervous Nellie Website [http://www.nervousnellie.com]